mz, 28.03.2012

Gesprächsrunde: Möhlauer Asylbewerber beklagen mangelnde Transparenz.

von Alexander Baumbach

WITTENBERG/MÖHLAU/MZ - "Wir wollen endlich Transparenz von der Verwaltung." Salomon Wantchouco von der Flüchtlingsinitiative Möhlau-Wittenberg hat das gestern noch einmal bekräftigt. Die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft in Möhlau und die Gruppe "no lager" hatten in die Evangelische Akademie in Wittenberg eingeladen, um ihren Unmut kundzutun.

"Wir wollen fair play", sagt Wantchouco - und meint damit die Umstände beim Umzug nach Vockerode. Fünf Familien sollten aus der zentralen Unterbringung in Möhlau in dezentrale Wohnungen umsiedeln. Für den Januar sei der Auszug angekündigt gewesen, bis jetzt noch nichts passiert. "Im Gegenteil - statt Informationen über den Zeitpunkt des Umzuges gab es einen Aushang des Sozialamtes, in dem nochmals gefragt wurde, ob man denn überhaupt umziehen wolle", erklärt Marie Schmidt von "no lager". Was in Vockerode anders oder besser als in Möhlau sein soll, ist ihr auch schleierhaft. Der Betreiber der KVW-Beherbergungsbetrieb GmbH hat die Ausschreibung für Vockerode gewonnen - die dort vorgesehenen Wohnungen lägen aber alle an einem Wohnblockeingang. Ob dann noch von einer - wie vom Kreistag beschlossenen - dezentralen Unterbringung die Rede sein kann, dass bezweifeln die "no-lager"-Leute und die Flüchtlingsinitiative. Auch auf anderem Gebiet sei der Weg nach Vockerode der Gang vom Regen in die Traufe. "Die Verkehrsanbindungen und Einkaufsmöglichkeiten sind ähnlich beschränkt wie in Möhlau. Und was wird aus den sogenannten ,Alleinreisenden', die in Möhlau bleiben?", fragt sich Toure Dramane. Wenn die drei Familien und zwei alleinerziehende Mütter nach Vockerode umziehen können, würde sich die Isolation für die alleinstehenden Flüchtlinge nur noch weiter verschärfen. "Dann kommt ja auch kein Schulbus mehr - und wenn die Familien mit Autos weggehen, dann wird es noch schwieriger, von dort wegzukommen", erklärt er. Dramane lebt seit 14 Jahren in Möhlau, erzählt von Krankheiten und psychischem Stress der Flüchtlinge dort. "Wenn man ins Gefängnis kommt, dann weiß man wenigstens, wann man wieder entlassen wird. Wer nach Möhlau kommt, weiß nicht einmal das", sagt er.

Für Dramane und Wantchoucou ist nicht nachvollziehbar, warum kein Vertreter der Verwaltung den Weg zu dem Gespräch in die Akademie gefunden hat. "Die Einladung war öffentlich", erzählt Wantchoucou. Zwar habe man niemanden persönlich eingeladen, aber das Desinteresse des Landkreises an Gesprächen sieht er im Fernbleiben der Verwaltung bestätigt. "Die reden zwar über uns - aber nicht mit uns", sagt Dramane. Sogar von latenter und offener Fremdenfeindlichkeit ist die Rede. "Das geht bis hin zu einer Äußerung in der Fragestunde beim Kreistag, dass die Flüchtlinge wieder nach Hause fahren sollten, wenn es ihnen hier nicht gefällt", erzählt Marie Schmidt. Alltagsrassismus sei immer auch ein Stück weit Ausprägung eines institutionellen Rassismus. Und der werde im Landkreis Wittenberg ausgereizt. "Wenn einer von uns zum Anwalt geht und sagt, dass er von hier kommt, dann schicken die einen zum nächsten", erzählt Dramane.

"Nach Landesrecht ist eine zentrale Unterbringung zu bevorzugen. Dass es anders geht, zeigen aber Sangerhausen oder Dessau, dort leben die Flüchtlinge auch in Wohnungen", erwähnt Sascha Müller. Die These, dass das für den Landkreis billiger als das Heim in Möhlau wäre, bleibt unbewiesen. "Aber der Wohnungsmarkt gibt das her, vor allem im unteren Mietpreisbereich", assistiert Marie Schmidt.

zurück